Überraschung auf der Handyrechnung: Was tun gegen Abofallen?

Eigentlich sah sie ganz harmlos aus, die Seite. Doch wer auf „iphonegewinnen.com“ sein Glück versuchte, tappte in eine böse Abofalle. Solche Seiten gibt es zu Hauf im Netz. Was ihr dagegen tun könnt und wie ihr die böse Überraschung auf eurer Handyrechnung vermeidet.

„iphonegewinnen.com“ ist nur eines der vielen Beispiele, wie dubiose Drittanbieter über den Handyvetrag Geld verdienen. Mittlerweile gibt es die Seite nicht mehr. Doch das problematische Inkasso-Modell, gegen das sich Verbraucher wehren sollten, besteht noch immer.

Gerade jüngere Internet-Nutzer werden mit Gewinnspielen, Umfragen oder Tests auf fragwürdige Seiten gelockt. Sie sollen dort, angeblich zur Bestätigung Ihres Alters oder aus einem anderen Grund, eine gültige Handynummer angeben. Tatsächlich geht es dem Anbieter aber nur darum, über den zugehörigen Mobilfunkanbieter an Geld zu kommen.

Doch das steht meist im Kleingedruckten eines langen Textes, grau auf weiß, irgendwo am unteren Ende der Seite. Der Nutzer merkt davon nichts – bis die Handyrechnung in Haus kommt. Im Fall von „iphonegewinnen.com“ wären das fünf Euro in der Woche gewesen. Für eine durchaus fragwürdige Leistung.

Wie das Abomodell funktioniert

Rein rechtlich läuft das Modell wie folgt ab: Wer im Internet bei dubiosen Diensten seine Nummer angibt, schließt zunächst einen Vertrag mit dem Drittanbieter ab. Dieser fordert das Geld aber nicht beim Nutzer direkt ein, sondern bei eurem Handyanbieter.

Der Anbieter zahlt die Kosten zunächst an den Dritten und fordert es dann beim Kunden über die Rechnung zurück. Euer Gläubiger ist also im rechtlichen Sinne nicht der Drittanbieter, sondern der Mobilfunker!

Was tun gegen die Kostenfalle?

Wenn ihr mit den Kosten auf eurer Handyrechnung nicht einverstanden seid, dann hilft euch der Paragraph 404 im BGB:

§ 404 BGB Einwendungen des Schuldners

Der Schuldner kann dem neuen Gläubiger die Einwendungen entgegensetzen, die zur Zeit der Abtretung der Forderung gegen den bisherigen Gläubiger begründet waren.

Im Prinzip sagt er aus, dass ihr euch nicht mit dem Drittanbieter, über den ihr das Abo abgeschlossen habt, auseinandersetzen müsst. Stattdessen ist nur der Mobilfunker euer Ansprechpartner. Das macht die ganze Sache einfacher. Erhaltet ihr also eine zu hohe Handyrechnung, gilt es, dort Widerspruch einzulegen. Dazu habt ihr acht Wochen Zeit.

Der Widerspruch sollte schriftlich eingereicht werden. Zusätzlich empfiehlt sich eine sofortige Einsendung als Fax oder per E-Mail. In dem Schreiben müsst ihr erklären, warum ihr mit der Rechnung nicht einverstanden seid.

So könnt ihr etwa argumentieren, dass ihr gar keinen Vertrag mit einem Drittanbieter eingegangen seid, da ein Hinweis darauf fehlte und euch das Abo so nicht bewusst sein konnte. Auch die Minderjährigkeit ist ein Argument gegen das Zustandekommen eines Vertrages. Zudem kann der Vertrag auch widerrufen werden. Der Widerruf ist möglich, weil die Widerrufsfrist erst dann beginnt, wenn der Kunde eine Widerrufsbelehrung in Textform erhält. Ist das nicht geschehen ist, kann er widerrufen.

Bittet den Mobilfunker zusätzlich um eine genaue Auflistung der Kosten. Dabei können ein Prüfprotokoll und der Einzelverbindungsnachweis helfen. Kündigt zudem an, dass ihr nicht den vollen Betrag der Rechnung überweist, sondern nur den Betrag, den ihr abzüglich der Abo-Kosten für gerechtfertigt haltet. Solltet ihr eine Einzugsermächtigung erteilt haben, holt euch den Betrag zurück und überweist nur die Teilleistung. So seid ihr auf der sicheren Seite.

Abofallen von vornherein vermeiden

Damit es gar nicht erst zu dem Stress kommt, solltet ihr ein paar Regeln beachtet. Prinzipiell gilt: Sobald nach einer Handynummer gefragt wird, müsst ihr skeptisch sein. Gebt eure Nummer nicht einfach in jedes Feld ein, wenn ihr danach gefragt werdet. Vor allem bei Umfragen, Facebook-Lockangeboten oder Gewinnspielen solltet ihr das unbedingt meiden.

Helfen kann aber auch eine Drittanbietersperre, die ihr bei eurem Mobilfunker kostenfrei beantragen könnt. Seit Mai 2012 sind die Anbieter gesetzlich verpflichtet, eine solche Sperre für die Kunden bereitzustellen. Drittanbieter haben danach nicht mehr die Möglichkeit, über euren Handyanbieter Geld zu verlangen. Dazu der Auszug aus dem Telekommunikationsgesetzt §45d:

(3) Der Teilnehmer kann von dem Anbieter öffentlich zugänglicher Mobilfunkdienste und von dem Anbieter des Anschlusses an das öffentliche Mobilfunknetz verlangen, dass die Identifizierung seines Mobilfunkanschlusses zur Inanspruchnahme und Abrechnung einer neben der Verbindung erbrachten Leistung unentgeltlich netzseitig gesperrt wird

Die Drittanbietersperre lässt sich in der Regel mit einem einfachen Schreiben beantragen. Ruft dazu einfach in der Support-Hotline eures Mobilfunkanbieters an und fragt, wie ihr vorgehen sollt. Unerwartete Kosten schließt ihr damit schon im Voraus aus.

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Über den Autor

Sehr technik-interessiert und in seiner Arbeit überaus akribisch. Neben Mobilfunk-Themen gefallen ihm besonders gute und nützliche Hardware und Software.

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