Chatbots: Unsere Freunde der Zukunft?

2016 wird das Jahr der Chatbots, sind sich Experten einig. Doch was taugen die Chat-Roboter bisher? Eine Bestandsaufnahme.

Es ist nicht immer leicht, den Anfang zu finden. Wie mit einem neuen Match bei Tinder. Ob ein einfaches „Hey“ reicht? Oder doch ein förmliches „Hallo“? Poncho jedenfalls nimmt mir diese Entscheidung ab. Denn bereits sein Name verrät mir, wie ich ihn begrüßen soll: „Hi Poncho“, schreibe ich in den Facebook Messenger. Es dauert nur wenige Sekunden, bis jemand regiert.

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„Jemand“ – das klingt in diesem Fall irgendwie unpassend. Denn hinter Poncho steckt kein Mensch, sondern ein Algorithmus. Die Katze in der gelben Regenjacke ist in den vergangenen Wochen zu einem der bekanntesten Chat-Roboter auf Facebook geworden. Über acht Tausend Leute lieben sie. Eigentlich ist Poncho das Maskottchen eines amerikanischen Wetterdienstes. Doch auf Facebook ist sie der beste Freund des Menschens.

Mit Poncho kann man chatten, wie man einem guten Freund. So zumindest verspricht es der Entwickler. Probieren wir es doch mal aus:

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Klappt schon mal ganz gut…

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Mmm. Schwer war das jetzt auch nicht. Mit Poncho soll man natürlich nicht nur chatten können, der Chatbot soll im Alltag auch nützlich werden: Wie es sich für eine Wetterkatze gehört natürlich mit dem Wetter.

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Auch das Wetter sagt Poncho ohne zu zögern an, jedoch nur solange, wie man auch vordefinierte Begriffe verwendet. Mit der ganz menschlichen Nachfrage „und morgen“ konnte die Katze nämlich nichts mehr anfangen.

Das ist auch das Hauptproblem der derzeit auf dem Markt erhältlichen Chatbots: Sie sind noch zu eingeschränkt. Während sich Poncho auf das Wetter und den Smalltalk spezialisiert hat, lassen sich beim Chatbot des Nachrichtendienstes CNN die aktuellen Schlagzeilen zu bestimmten Themen abfragen. Ähnliches weiß auch das Wall Street Journal für sich zu nutzen. Mit dem Bot des amerikanischen Modeshops Spring können Nutzer das Sortiment abfragen und beim Blumenlieferanten 1-800-Flowers Blumen bestellen. Mehr geht bislang noch nicht.

Bisher nur etwas für Nerds…

So spannend die Bots derzeit auch sein mögen, so schwach sind sie in der Benutzung: Keiner der Bots spricht bislang deutsch, das Gespräch ist angewiesen auf Schlagwörter, ohne die die Bots keinen Sinn verstehen. Und auch die Antworten gleichen sich.

Man könnte sagen: Chatbots sind derzeit eher etwas für Nerds, für Leute, die einfach mal wissen wollen, was die Algorithmen schon drauf haben. Aber alltagstauglich sind die Roboter lange nicht.

„Wir sind noch am Anfang einer langen Entwicklung“, sagt Poncho-Chef Sam Mandel im Gespräch mit dem Techinsider. „In Zukunft sollen die Bots nicht nur alles verstehen, was man sagt, sondern auch alles über den Chatpartner wissen“.

…doch die Zukunft könnte blühend aussehen

In der Tat steckt in den Algorithmen eine Menge Potenzial. Sie erzeugen nicht nur einen schnellen Draht zu Unternehmen. Sie können auch – baut man sie richtig – unsere alltäglichen Abläufe im Internet vereinfachen. In keinem anderen Gebiet wird dies so deutlich wie beim Shopping.

Statt sich stundenlang durch die Online-Shops der Modeketten zu wühlen, befragt man künftig einfach seinen Bots. Ein digitaler Battler wenn man so will. Bestenfalls kennt dieser bereits die Vorlieben des Nutzers: Die Kleidungsgröße hat er vor einigen Tagen schonmal erfragt. Sie Lieblingsfarben entnimmt er der Kleidung deiner Facebook-Bilder, die favorisierten Kleidungsarten den Shop-Seiten, die du schonmal angesteuert hast. Und die Kreditkartennummer merkt sich der Bot natürlich auch. In wenigen Sekunden macht er Vorschläge, wie ein persönlicher Berater im Laden. Gefällt dir ein Teil, klickst du einfach auf „Zuschicken“. Bezahlen? Macht der Bot. Die Adresse? Hast du ihm vor Monaten bereits verraten.

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So stellen sich die Unternehmen die Zukunft vor. Ein digitaler Helfer, der den Nutzer kennt und von ihm lernt. Dem Nutzer spart das Zeit – den Unternehmen bringt es Geld und Daten. Und all das in einer vertrauten Umgebung: Dem Facebook Messenger.

Kein Wunder also, dass so viele Unternehmen an der Entwicklung von Bots interessiert sind. Die Fast-Food-Kette Bürger King will künftig Bestellungen über einen Bot ermöglichen, noch bevor der Nutzer die Filiale betritt. Zalando plant einen Bot, den man nach persönlichen Vorschlägen befragen kann. Und Expedia will das Buchen von Hotels über den Messenger ermöglichen.

Doch nicht nur im Bereich des Shoppings könnten Bots hilfreich sein. Auch bei Alltagsproblemen sollen sie helfen. Statt künftig mit dem Support-Mitarbeiter des Unternehmens zu schreiben, schildert man erstmal einem Bot sein Problem. Wer das Ikea-Regal nicht zusammenbekommt, fragt den Bot nach Hilfe. Wenn das Telefon wieder spinnt, hilft der Bot aus. Und wenn der Fernseher nicht anspringt? Auch da kann ein Bot behilflich sein.

Das ist alles noch Zukunftsmusik. Denn bisher sind die Chat-Roboter nicht mehr als ein sturer Algorithmus. Doch wenn die Bots eine eigene Intelligenz entwickeln, ist ihrem Können keine Grenze mehr gesetzt. Die Chatbots, sie werden unsere Freunde der Zukunft. Und darauf darf man gespannt sein.

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Über den Autor

Sehr technik-interessiert und in seiner Arbeit überaus akribisch. Neben Mobilfunk-Themen gefallen ihm besonders gute und nützliche Hardware und Software.

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