Bye, bye BlackBerry – ein Rückblick auf die goldene Ära des Kultherstellers

In der Elektronikbranche verglühen eben noch leuchtende Sterne in der Regel schneller wieder als in allen anderen Bereichen. Ein Unternehmen, das sich relativ lange gehalten hat, ist BlackBerry. Auch wenn die Glanzzeiten des US-Herstellers längst vergangen sind, konnte man sich doch zumindest noch in einer kleinen Nische notdürftig über Wasser halten. Doch damit ist jetzt Schluss.

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Ein Urgestein zieht sich zurück

So wirklich überraschte es wohl niemanden, als die Nachricht vom Rückzug BlackBerrys aus dem Smartphone-Geschäft die Runde machte. Zu sehr hatte sich dieser Schritt als letzte Konsequenz aus der
anhaltenden Negativentwicklung angedeutet. Denn die einst so ruhmreiche Marke war längst zum Ladenhüter geworden.

Gegen die übermächtige Konkurrenz von Apple und Android konnte der einstige Vorreiter nicht mehr allzu viel entgegensetzen und so schrumpfen die Marktanteile zuletzt auf geradezu mikroskopische 0,1 Prozent. Zu wenig, um weiter viel Geld in die Entwicklung neuer Mobiltelefone zu stecken. Doch statt zu trauern, wollen wir an dieser Stelle noch einmal zurückblicken auf die goldene Ära von BlackBerry. Vielleicht erkennt ihr euch ja an der einen oder anderen Stelle selbst wieder.

Die Pioniere in Sachen Business-Handys

In einer Zeit, in der es den Begriff „Smartphone“ noch gar nicht gab, war BlackBerry seiner Zeit in vielen Dingen weit voraus. So baute das US-Unternehmen sich sehr clever einen Ruf als Spezialist für Premium-Mobiltelefone auf. Während der Normalbürger meist zum Nokia oder Siemens griff, entschieden sich vor allem Geschäftsleute für einen BlackBerry – nicht zuletzt aufgrund der für die damalige Zeit geradezu bahnbrechenden Möglichkeiten, sich mobil zu organisieren.

So führte in vielen Firmen kein Weg an den Geräten aus dem Hause Research In Motion/RIM, unter dem die Handys damals noch vertrieben wurden, vorbei. Führende Mitarbeiter und Außendienstler wurden wie selbstverständlich mit BlackBerrys bestückt, waren diese doch das Nonplusultra im Bereich mobile Kommunikation. Wer seinen BlackBerry auch privat nutzen durfte oder sich gar privat solch ein Ding zulegte, konnte sich staunender und neidischer Blicke gewiss sein.

So ging alles in den 1990ern los…

adobestock_2136830Bei den ersten Geräten, die die US-Amerikaner in den 1990er Jahren in Umlauf brachten, handelte es sich noch gar nicht um Handys. Die Inter@ctive Pager 850, 900 und 950 waren dennoch eine geradezu revolutionäre Innovation, denn mit ihnen konnten unterwegs E-Mails abgerufen und versendet werden, es gab eine Kalenderfunktion und sogar ein HTML-Browser war integriert.

Mit einer integrierten Sprachfunktion kam im Jahr 2002 der BlackBerry 5810 auf den Markt. Neben praktischen Synchronisationsfunktionen für Kalender und E-Mails verfügte das Gerät, das heute für viele als das allererste Smartphone überhaupt gilt, auch über eine Sprachfunktion. Um diese nutzen zu können, war jedoch ein externes Headset erforderlich.

Schon ein Jahr später wurde dieser Missstand behoben. Die BlackBerry 6000er-Serie ermöglichte es endlich, auch ohne extra Headset zu telefonieren. Mobiles E-Mailen wurde mit der 7200er-Serie salonfähig. Nicht zuletzt diese Tatsache sorgte dafür, dass sich neben Geschäftsleuten nun auch immer mehr Privatpersonen für die Telefone aus dem Hause BlackBerry interessierten. Telefone, die so viel mehr waren als nur Telefone.

Neben Geschäftsleuten auch Privatkunden im Visier

Beflügelt durch das steigende Interesse brachte BlackBerry 2006 mit dem 8100 Pearl erstmals ein Gerät auf den Markt, das ganz bewusst auf die Bedürfnisse von Privatanwendern zugeschnitten sein sollte. Hier waren unter anderem Bluetooth, eine Kamera mit 1,3 Megapixel Auflösung sowie ein Mediaplayer mit an Bord.

Das UMTS-Zeitalter wurde mit dem BlackBerry Bold 9000 eingeleitet. 1 GB interner Speicher waren zu dieser Zeit eine ganze Menge und auch mit Features wie WLAN, GPS oder USB 2.0 konnte man damals durchaus punkten. Inzwischen war die Luft jedoch bereits rauer geworden. 2007 hatte Apple sein erstes iPhone vorgestellt, das direkt vom renommierten „Time“-Magazin zur Erfindung des Jahres 2007“ gewählt wurde.

Hochmut kommt vor dem Fall?

Bei BlackBerry jedoch schien man die aktuellen Entwicklungen nicht ernst genug zu nehmen. Stattdessen ruhte man sich auf seinen Lorbeeren aus der Vergangenheit aus und war offensichtlich der Ansicht, sich in seinem elitären Segment so stark positioniert zu haben, dass etwaige Emporkömmlinge da keine ernsthafte Gefahr sein könnten. Parallelen zum Aufstieg und Fall von Nokia sind sicherlich nicht ganz zufällig…

BlackBerry hielt beispielsweise lange Zeit stur an seiner zwischenzeitlich schon geradezu legendären echten Volltastatur fest, während andere längst mit Touchscreens die Nutzer begeisterten. Schließlich schwenkte man doch um und stellte mit dem BlackBerry 9500 Storm ein Gerät mit Touchscreen vor, das jedoch im iPhone-Hype nicht wirklich breite Käuferschichten erreichen konnte.

Zu späte Umorientierung auf Android

Es folgten noch einige weitere Experimente, wie etwa mit dem Slider BlackBerry 9800 Torch. Dieses Smartphone verfügte sowohl über eine mechanische Tastatur als auch einen Touchscreen. Die Konkurrenz eilte derweil jedoch mit Siebenmeilenstiefeln immer weiter davon. Während BlackBerry weiterhin stoisch auf sein eigenes Betriebssystem setzte, schwärmte die ganze Welt von iOS oder Android.

In höchster Not steckend, besann man sich bei BlackBerry schließlich und warf sämtliche Prinzipien über Bord. Das PRIV war das erste BlackBerry-Smartphone, bei dem komplett auf Android gesetzt wurde. Doch weder dieses in diversen Tests durchaus überzeugende Gerät noch das darauf folgende BlackBerry Dtek konnten das Ruder noch einmal herumreißen, obwohl die Marketingstrategen nichts unversucht ließen, um mit Alleinstellungsmerkmalen wie hoher Sicherheit und Top-Verarbeitung zu punkten.

Der Zug für die einst so stolze und wegweisende Marke war bereits vorher abgefahren, als die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt wurden. Allen BlackBerry-Fans bleiben ihre ganz persönlichen Erinnerungen an ihre geliebten Geräte und wer weiß, vielleicht gibt es ja eines Tages doch noch einmal ein wundersames Comeback unter diesem Namen?

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Über den Autor

Der Halbfinne liebt das Reisen, wobei er als regelrechter Smartphone-Junkie niemals auf sein Mobiltelefon verzichten möchte. Technische Innovationen interessieren ihn nicht zuletzt auch deshalb, weil sie das ortsunabhängige Arbeiten leichter machen.

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