Ab wann sollen wir unserem Kind ein Handy kaufen? Das sagen Experten!

„Mama, die anderen Kinder in meiner Klasse haben alle schon ein Handy. Warum bekomme ich keins? Das ist doof!“

Alles andere als doof sind Eltern, die die Entscheidung „Handy für den Nachwuchs – ja oder nein?“ sorgfältig abwägen. Wir haben beim Medienpädagogen Björn Friedrich nachgefragt. Er hat zusammen mit Tobias Albers-Heinemann „Das Elternbuch zu WhatsApp, Facebook, YouTube & Co“ geschrieben und gibt Tipps, wann Eltern ihren Kindern grünes Licht für ein Smartphone geben sollten. Wenn Ihr Euch also fragt, ab welchem Alter Kind ein Smartphone oder Handy bekommen sollten, seid Ihr hier genau richtig.

Generation „Touch Screen“ – Jeder zweite 8- bis 14-Jährige nutzt ein Smartphone

Leicht irritiert versucht das kleine Mädchen, auf dem Schoss ihres Vaters über die Zeitung zu wischen, um umzublättern. Tja, da bewegt sich nichts. Die Kleine versteht die Welt nicht mehr. Immerhin ist sie das von den bunten Tablets ihrer Eltern gewohnt. Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf. Gerade jetzt wächst eine Generation von Digital Natives heran, die schon im Kleinkindalter vor dem Tablet sitzen oder mit dem Smartphone von Mama und Papa spielen. Aber wann sind sie für ein eigenes Handy bereit?

Immer überall erreichbar zu sein, ist reiner Stress – auch für Kids

Genau zu diesem Thema veranstaltete die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) Anfang Oktober die Fachtagung „Always on! Wie Kinder und Jugendliche Smartphones nutzen“ und präsentierte die neuste Studie, für die 500 Eltern und 500 Heranwachsende befragt wurden. Das Ergebnis: Immer mehr Kinder und Jugendliche haben nicht nur ein internetfähiges Handy (64 Prozent der 8- bis 14-Jährigen), sondern 20 Prozent nutzen ihr Smartphone besonders oft. Ist das ein Grund, dem Quengeln der Kids nachzugeben – und ein Kinder-Smartphone anzuschaffen?

Die Schattenseiten der Smartphone-Nutzung

Dr. Karin Knop, Mitherausgeberin der Studie, weist darauf hin, dass die jungen Smartphone-Nutzer vor allem von FoMO getrieben seien, was für „Fear of missing out“ steht. Die Angst, etwas zu verpassen, ist also der Grund, warum Kinder und Jugendliche so exzessiv und auch risikobereit das Smartphone verwenden. Eltern sollten ihre Kinder über die Risiken aufklären, wenn sie ihnen ein Handy kaufen.

Was passiert, wenn Kinder nicht von den Eltern aufgeklärt werden, haben die Forscher der Studie „Always on!“ herausgestellt. Hier eine Auswahl:

  1. Cybermobbing: 11 Prozent haben erfahren, wie es ist, auf Sozialen Plattformen gemobbt zu werden. Und 10 Prozent haben dort schon selbst jemand anderen diskriminiert.
  2. Datenmissbrauch: Ganze 42 Prozent haben bereits persönliche Daten unüberlegt und zu ihrem eigenen Schaden herausgegeben.
  3. Hohe Kosten: 24 Prozent der Befragten verursachten extrem hohe Kosten, für die immer die Eltern aufkommen müssen.
  4. Nachricht von Fremden erhalten: 27 Prozent erhielten Nachrichten von fremden Personen auf ihr Smartphone erhalten.
  5. Keine Jugendfreie Inhalte: 21 Prozent surften bereits auf Seiten, die sich nicht für Kinder und jugendliche eignen.

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Ab wann sollten Kinder ein eigenes Smartphone nutzen dürfen?

Die Initiative des Familienministeriums „Schau hin“ rät Eltern, in der Grundschule komplett auf ein Smartphone zu verzichten. Kinder bis 12 Jahren sind in den meisten Fällen geistig noch nicht reif genug, um die Gefahren eines internetfähigen Handys richtig einschätzen zu können. Björn Friedrich, Medienpädagoge und Autor von „Das Elternbuch zu WhatsApp, Facebook, YouTube & Co“, meint allerdings:

Eine pauschale Altersempfehlung gibt es meistens nicht. Dafür sind Kinder einfach zu individuell. Aber die Eltern sehen ja, wie verantwortungsbewusst die Kinder sind und wie groß der Wunsch nach dem eigenen Smartphone ist. Man muss für den Einzelfall entscheiden, wann das erste eigene Smartphone angeschafft werden soll.

Welches Handy für den Start?

Gerade für den Anfang bietet sich ein nicht internetfähiges Handy mit einer Prepaid-Karte an, damit die Kleinen auch auf längeren Schulwegen immer erreichbar sind. Immer mehr Unternehmen bieten zudem spezielle kindgerechte Verträge an, um Kosten im Griff zu behalten.

Die Rechtsexpertin Esther Jontofsohn-Birnbaum von der Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt, über das Thema Smartphone auf jeden Fall vor dem Kauf intensiv zu sprechen: „Es ist wichtig, dem Nachwuchs klarzumachen, dass ein Smartphone eine Fülle von persönlichen Daten wie Fotos, Videos und Nachrichten speichert, die nicht für Fremde bestimmt sind.“

Das Handy gehört zum sozialen Alltag und ist wichtig für die Kommunikation mit Freunden und Familie

Björn Friedrich, der bei der medienpädagogischen Facheinrichtung SIN – Studio im Netz in München arbeitet, betont auch, dass Eltern ihren Kindern kein komplettes Handyverbot geben sollten: „Hysterische Berichterstattung oder reißerische Publikationen, wie derzeit zu einer angeblichen „Cyberkrankheit“, schüren die Angst von Eltern. Wir raten zu einem gelassenen, aber aufmerksamen Umgang mit diesem Thema.“

Was Eltern oft vergessen: Wofür frühere Generationen mehrere Endgeräte nutzten, brauchen Kinder heute eben nur noch eines, nämlich das Smartphone. Sie hören damit Musik, telefonieren, schließen sich mit ihren Freunden kurz und sehen sich gemeinsam Bilder oder Videos an. Auch in der Familie lernt man das Smartphone außerdem schnell schätzen, um sich unkomplizierter zu verabreden oder schnell etwas zu fragen. Das Smartphone vereinfacht schlichtweg den Familienalltag.

Eltern sollten bei der Handynutzung also ein Vorbild sein. So gehört beispielsweise beim Tischdecken das Smartphone nicht automatisch mit auf den Tisch.

Björn Friedrichs Tipps für Eltern:

  • Seien Sie neugierig und aufgeschlossen. Betrachten Sie neue Entwicklungen mit einer gesunden Skepsis, aber verteufeln Sie die Medien nicht pauschal.
  • Achten Sie auf einen angemessenen zeitlichen Umfang der Mediennutzung und auf altersadäquate Inhalte.
  • Erziehen Sie Ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen und eigenverantwortlichen Umgang mit Medien. Schließlich müssen sie lernen, sich alleine in unserer „mediatisierten“ Gesellschaft zu bewegen.

 

Weiterführende Links zum Thema:

Da die Forscher der Studie „Always on!“ auch herausfanden, dass sich die wenigsten Eltern medienpädagogischen Rat aus dem Internet holen, haben wir Euch hier einige Links zusammengestellt. Dort könnt Ihr Euch informieren, wie lange Euer Kind via Smartphone maximal surfen sollte und was es für Aufklärungsangebote für Eltern und Kinder gibt:

 

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Über den Autor

Gidon Wagner ist Online-Journalist und schreibt bei Sparmag über Smartphones, Hardware und alles, was digital ist und Spaß macht.

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Kommentare

L. Müller 7. November 2015

Ich las vor einiger Zeit, dass Handys in Frankreich an den Schulen für Kinder bis zum 15. Lebensjahr verboten sind. Vielleicht sind die Franzosen besser informiert, wie schädlich Handys u. Smartphones sind u. schützen deshalb ihre Kinder davor.

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